Viele Steuerkanzleien verlassen sich bei der Mitarbeitersuche auf Stellenanzeigen, Jobportale oder Recruiting-Kampagnen. Dabei wird ein Weg häufig übersehen, obwohl er oft die besten Bewerber hervorbringt: Empfehlungen aus dem eigenen Team.
Mitarbeiter kennen andere Fachkräfte aus ihrer Ausbildung, früheren Kanzleien oder ihrem persönlichen Netzwerk. Wenn sie ihre Kanzlei gerne weiterempfehlen, entstehen häufig genau die Kontakte, die auf klassischen Wegen kaum erreichbar sind.
Trotzdem passiert das in vielen Kanzleien erstaunlich selten. Nicht, weil die Mitarbeiter niemanden kennen, sondern weil ihnen häufig die richtigen Gründe fehlen, ihre Kanzlei aktiv weiterzuempfehlen.
Die beste Recruiting-Quelle sitzt oft bereits im eigenen Büro
Empfehlungen gehören seit Jahren zu den erfolgreichsten Wegen der Mitarbeitergewinnung.
Der Grund ist einfach: Menschen vertrauen Menschen. Wer von einem ehemaligen Kollegen oder einer guten Bekannten hört, dass eine Kanzlei ein angenehmer Arbeitgeber ist, beschäftigt sich deutlich eher mit einem Wechsel als nach einer anonymen Stellenanzeige.
Hinzu kommt: Mitarbeiter empfehlen in der Regel nur Personen, von denen sie überzeugt sind. Dadurch passen empfohlene Bewerber häufig nicht nur fachlich, sondern auch menschlich besser ins bestehende Team.
Viele Kanzleien versuchen deshalb, Mitarbeiterempfehlungen durch Prämien oder Bonusprogramme zu fördern. Das kann funktionieren.
Der eigentliche Hebel liegt jedoch meist an einer ganz anderen Stelle.
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Natürlich freut sich jeder über eine finanzielle Anerkennung.
Doch kaum jemand empfiehlt seinen Arbeitgeber ausschließlich wegen einer Prämie. Menschen sprechen über Dinge, mit denen sie sich identifizieren.
Wer stolz darauf ist, Teil eines Teams zu sein, erzählt Freunden oder ehemaligen Kollegen ganz selbstverständlich von seinem Arbeitsplatz. Wer sich hingegen nur als Angestellter fühlt, wird seine Kanzlei deutlich seltener aktiv weiterempfehlen.
Deshalb beginnt erfolgreiche Mitarbeiterempfehlung nicht mit einer Auszahlung, sondern mit einer Unternehmenskultur, in der sich Menschen wohlfühlen.
Viele Steuerkanzleien leisten fachlich hervorragende Arbeit.
Nach außen zeigen sie davon jedoch oft nur sehr wenig.
Die Website richtet sich fast ausschließlich an Mandanten. Auf Social Media geht es um Steuerrecht oder Fristen. Das Team, die Arbeitsweise und die Kultur bleiben dagegen unsichtbar.
Für potenzielle Bewerber entsteht dadurch kaum ein Bild davon, wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten.
Und genau das macht es auch für die eigenen Mitarbeiter schwer, ihre Kanzlei aktiv weiterzuempfehlen.
Denn wer selbst kaum beschreiben kann, was den Arbeitgeber besonders macht, wird andere nur selten davon überzeugen.
Arbeitgebermarke bedeutet nicht, möglichst modern oder laut aufzutreten.
Sie beantwortet vielmehr eine einfache Frage:
Warum sollte jemand genau in Ihrer Kanzlei arbeiten und nicht in einer anderen?
Wenn diese Antwort klar ist, entsteht Orientierung – nach außen genauso wie nach innen.
Mitarbeiter wissen dann, wofür ihre Kanzlei steht. Sie können erzählen, was die Zusammenarbeit auszeichnet und warum sie selbst gerne dort arbeiten.
Erst dadurch werden Empfehlungen glaubwürdig und authentisch.
Viele Kanzleien warten darauf, dass Empfehlungen zufällig entstehen.
Erfolgreicher ist jedoch ein klarer Prozess.
Dazu gehören beispielsweise:
regelmäßige Gespräche über die Weiterentwicklung der Kanzlei
Einblicke in den Arbeitsalltag auf der Karriereseite und in den sozialen Medien
eine offene Kommunikation über offene Stellen
einfache Möglichkeiten, interessante Kontakte weiterzugeben
echte Wertschätzung für erfolgreiche Empfehlungen
Je stärker sich Mitarbeiter mit ihrer Kanzlei identifizieren, desto natürlicher entstehen Gespräche im eigenen Netzwerk.
Und genau dort beginnen viele erfolgreiche Einstellungen.
Wenn Empfehlungen bisher kaum eine Rolle spielen, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die eigene Situation.
Fragen Sie sich deshalb:
Würden unsere Mitarbeiter unsere Kanzlei guten Freunden empfehlen?
Wissen sie überhaupt, was uns als Arbeitgeber besonders macht?
Können Bewerber unsere Unternehmenskultur nach außen erkennen?
Sprechen wir regelmäßig über offene Stellen im Team?
Machen wir es Mitarbeitern leicht, Kontakte weiterzugeben?
Die Antworten auf diese Fragen zeigen oft sehr schnell, wo ungenutztes Potenzial liegt.
Viele Kanzleien investieren viel Zeit und Geld in die Suche nach neuen Mitarbeitern.
Dabei wird die wichtigste Zielgruppe häufig übersehen: das eigene Team.
Mitarbeiterempfehlungen entstehen nicht durch Zufall und auch nicht allein durch finanzielle Anreize. Sie entstehen dort, wo Menschen gerne arbeiten, sich mit ihrer Kanzlei identifizieren und stolz darauf sind, Teil des Teams zu sein.
Wer deshalb gezielt an seiner Arbeitgebermarke, seiner Unternehmenskultur und der internen Kommunikation arbeitet, erhöht nicht nur die Zufriedenheit bestehender Mitarbeiter. Gleichzeitig entsteht einer der wirkungsvollsten Recruiting-Kanäle überhaupt.
Denn die überzeugendste Stellenanzeige ist oft keine Anzeige – sondern die ehrliche Empfehlung eines Mitarbeiters.
ÜBER DEN AUTOR

Tim Wöhler
Tim Wöhler ist Gründer von Wöhler & Partner und Experte für strategisches Wachstum und Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Steuerkanzleien.
Sein Fokus liegt auf planbarer Sichtbarkeit, klarer Positionierung und messbaren Ergebnissen – für Steuerkanzleien ohne Zufall.
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