Warum Recruiting bei Steuerkanzleien Chefsache ist – und bleiben muss

Warum Recruiting bei Steuerkanzleien Chefsache ist – und bleiben muss

Eine offene Stelle ist ausgeschrieben. Die Aufgabe wird intern weitergegeben. Vielleicht übernimmt das Recruiting eine Mitarbeiterin aus dem Sekretariat, die Personalabteilung oder ein externer Dienstleister. Schließlich gibt es im Kanzleialltag ohnehin genug zu tun.

Auf den ersten Blick wirkt dieses Vorgehen sinnvoll. Doch genau an dieser Stelle entsteht häufig einer der größten Fehler im Recruiting.

Mitarbeitergewinnung ist weit mehr als ein organisatorischer Prozess. Sie entscheidet darüber, wie sich eine Kanzlei in den kommenden Jahren entwickelt. Wer heute die richtigen Menschen gewinnt, schafft die Grundlage für den Erfolg von morgen.

Genau deshalb sollte Recruiting zwar professionell begleitet werden, die Hauptverantwortung dafür bleibt jedoch Chefsache.

 

Recruiting entscheidet über die Zukunft Ihrer Kanzlei

Neue Mitarbeiter beeinflussen nahezu jeden Bereich einer Kanzlei.

Sie prägen die Zusammenarbeit im Team, übernehmen Verantwortung für Mandanten und tragen maßgeblich zur Qualität der Beratung bei. Gleichzeitig formen sie die Unternehmenskultur und damit das tägliche Miteinander.

Jede Einstellung ist deshalb immer eine langfristige Investition. Während Fehlentscheidungen oft über Jahre spürbar bleiben, können die richtigen Mitarbeiter das Wachstum einer Kanzlei nachhaltig voranbringen. Gerade aus diesem Grund sollte Recruiting den selben Stellenwert erhalten wie andere strategische Entscheidungen innerhalb der Kanzlei.

 

Recruiting lässt sich organisieren – aber nicht vollständig delegieren

Natürlich müssen nicht alle Aufgaben vom Kanzleiinhaber selbst übernommen werden.

Stellenanzeigen erstellen, Bewerbungen koordinieren oder Gespräche organisieren. All das kann intern oder extern professionell begleitet werden.

Was sich jedoch nicht vollständig delegieren lässt, ist die strategische Ausrichtung.

Denn nur die Kanzleileitung kann folgende Fragen beantworten:

  • Welche Mitarbeiter passen wirklich zu unserer Kanzlei?

  • Welche Werte möchten wir langfristig im Team etablieren?

  • Wohin soll sich unsere Kanzlei entwickeln?

  • Welche Persönlichkeit suchen wir tatsächlich?

Genau diese Entscheidungen bilden die Grundlage jeder Recruiting-Strategie. Werden sie nicht bewusst getroffen, entstehen häufig Einstellungen, die fachlich zwar überzeugen, langfristig jedoch nicht zur Kanzleikultur oder zum bestehenden Team passen.

 

Bewerber entscheiden sich häufig für den Menschen hinter der Kanzlei

Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren sehr verändert.

Qualifizierte Fachkräfte wechseln heute nur selten wegen eines höheren Gehalts oder einzelner Benefits. Viel häufiger suchen sie nach einer Perspektive, die wirklich zu ihnen passt.

Sie möchten wissen:

  • Wer führt die Kanzlei?

  • Welche Werte werden gelebt?

  • Wie werden Entscheidungen getroffen?

  • Und wie sieht die Zusammenarbeit im Alltag aus?

Genau deshalb spielt der Kanzleiinhaber im Recruiting eine entscheidende Rolle. Ob auf der Karriereseite, in einem Recruiting-Video oder im persönlichen Gespräch, Bewerber möchten den Menschen kennenlernen, der die Kanzlei führt.

Authentizität schafft Vertrauen, was häufig der entscheidende Auslöser für eine Bewerbung ist.

 

Gute Recruiting-Ergebnisse entstehen durch klare Führung

Viele Kanzleien investieren in Stellenanzeigen oder Recruiting-Kampagnen. Das ist auch grundsätzlich richtig und absolut sinnvoll.

Den entscheidenden Unterschied macht jedoch meist nicht die einzelne Maßnahme, sondern die Richtung, die dahintersteht.

Wenn die Kanzleileitung genau weiß, welche Mitarbeiter gesucht werden, welche Kultur aufgebaut werden soll und welche Werte die Kanzlei auszeichnen, werden sämtliche Recruiting-Maßnahmen deutlich wirkungsvoller.

Denn gute Mitarbeiter werden nicht zufällig gefunden, sondern immer gezielt angesprochen.

 

Führung beginnt lange vor dem ersten Arbeitstag

Recruiting endet nicht mit einer unterschriebenen Bewerbung. Bereits während des Bewerbungsprozesses erleben Fachkräfte, wie eine Kanzlei arbeitet. Faktoren wie Antwortzeiten, Kommunikation, Wertschätzung und Verbindlichkeit vermitteln einen ersten Eindruck der späteren Zusammenarbeit.

Wer Recruiting aktiv führt, gestaltet deshalb nicht nur den Bewerbungsprozess. Er legt gleichzeitig den Grundstein für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit.

 

Die wichtigsten Fragen sollte sich jeder Kanzleiinhaber stellen

Bevor neue Recruiting-Maßnahmen gestartet werden, lohnt sich ein kurzer Perspektivwechsel.

Fragen Sie sich deshalb:

  • Wissen wir genau, wen wir einstellen möchten?

  • Können Bewerber erkennen, wofür unsere Kanzlei steht?

  • Sind wir selbst im Recruiting sichtbar?

  • Vermitteln wir unsere Werte authentisch?

  • Treffen wir Recruiting-Entscheidungen bewusst oder eher nebenbei?

Oft entstehen die größten Verbesserungen bereits durch ehrliche Antworten auf genau diese Fragen.

 

Fazit: Recruiting ist eine Führungsaufgabe

Viele Aufgaben im Recruiting lassen sich delegieren, die Verantwortung dafür jedoch nicht.

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung beginnt nicht mit einer Stellenanzeige. Sie beginnt mit einer klaren Vision der Kanzleileitung. Wer Recruiting als strategische Führungsaufgabe versteht, gewinnt nicht nur häufiger qualifizierte Fachkräfte, sondern baut langfristig ein Team auf, das fachlich überzeugt, menschlich zusammenpasst und die Zukunft der Kanzlei aktiv mitgestaltet.

Denn am Ende entscheiden nicht einzelne Recruiting-Maßnahmen über den Erfolg einer Kanzlei. Es sind die Menschen, die diese Kanzlei jeden Tag weiterentwickeln. Und genau deshalb bleibt Recruiting eine Aufgabe, die der Kanzleiinhaber zwar begleiten lassen kann, deren Richtung jedoch immer selbst vorgeben sollte.

ÜBER DEN AUTOR

Autor

Tim Wöhler

Tim Wöhler ist Gründer von Wöhler & Partner und Experte für strategisches Wachstum und Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Steuerkanzleien.
Sein Fokus liegt auf planbarer Sichtbarkeit, klarer Positionierung und messbaren Ergebnissen – für Steuerkanzleien ohne Zufall.

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