Warum Kanzleien immer wieder die gleichen Recruiting-Ergebnisse bekommen

Warum Kanzleien immer wieder die gleichen Recruiting-Ergebnisse bekommen

Eine Stelle wird ausgeschrieben.

Die Anzeige wird auf den bekannten Portalen veröffentlicht. Vielleicht wird zusätzlich noch ein Beitrag auf Social Media veröffentlicht oder die Anzeige über Empfehlungen im Netzwerk geteilt.

Dann beginnt das Warten.

Einige Bewerbungen kommen herein, viele davon passen nicht. Manche Stellen bleiben über Monate unbesetzt. Und irgendwann entsteht häufig derselbe Gedanke:

„Wir haben doch schon alles ausprobiert.“

Genau an diesem Punkt lohnt es sich, genauer hinzusehen. Denn oft haben Kanzleien nicht zu wenig ausprobiert. Sie haben lediglich immer wieder ähnliche Maßnahmen eingesetzt und deshalb auch ähnliche Ergebnisse erhalten.

 

Gleiche Maßnahmen führen zu gleichen Ergebnissen

Im Recruiting gilt letztlich das gleiche Prinzip wie in vielen anderen Bereichen eines Unternehmens:

Wer dauerhaft das Gleiche macht, wird auch dauerhaft ähnliche Resultate erhalten. Trotzdem beobachten wir häufig, dass Kanzleien bei ausbleibendem Erfolg lediglich kleine Anpassungen vornehmen.

Die Stellenanzeige wird leicht umformuliert, ein Benefit wird ergänzt, das Budget wird etwas erhöht oder die Anzeige wird letztendlich neu veröffentlicht.

Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Veränderung. Tatsächlich bleibt die grundsätzliche Recruiting-Strategie jedoch oft unverändert.

Die gleichen Menschen werden über die gleichen Kanäle mit den gleichen Botschaften angesprochen. Entsprechend ähnlich fallen auch die Ergebnisse aus.

 

Der bekannte Mythos: „Wir haben alles probiert“

Dieser Satz fällt in Gesprächen erstaunlich häufig. Fragt man dann genauer nach, zeigt sich oft ein anderes Bild.

Viele Kanzleien haben beispielsweise:

  • Stellenanzeigen auf Jobportalen veröffentlicht

  • Beiträge auf Social Media gepostet

  • Empfehlungen aus dem Netzwerk genutzt

  • vereinzelt Werbeanzeigen geschaltet

Das sind durchaus sinnvolle Maßnahmen. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Wurde die eigentliche Strategie jemals hinterfragt?

Recruiting besteht nicht nur aus einzelnen Maßnahmen. Recruiting ist das Zusammenspiel aus Positionierung, Sichtbarkeit, Arbeitgeberattraktivität und Bewerbererfahrung.

Wenn einer dieser Bereiche nicht funktioniert, bringen zusätzliche Anzeigen oder neue Plattformen meist nur begrenzte Verbesserungen.

 

Oft liegt das Problem nicht bei der Reichweite

Viele Kanzleien vermuten zunächst, dass zu wenige Menschen ihre Stellenanzeige sehen.

In der Praxis zeigt sich jedoch häufig etwas anderes.

Die Anzeige wird mehrfach gesehen. Auch die Karriereseite wird besucht und potenzielle Bewerber informieren sich über die Kanzlei. Trotzdem bleiben neue Bewerbungen aus.

Der Grund liegt häufig nicht in der Sichtbarkeit, sondern in der Wahrnehmung.

Bewerber stellen sich unter anderem folgende Fragen:

  • Warum sollte ich überhaupt wechseln?

  • Was unterscheidet diese Kanzlei von anderen?

  • Wie sieht die Zusammenarbeit im Alltag aus?

  • Welche Entwicklungsmöglichkeiten habe ich dort?

  • Passen die Werte der Kanzlei zu meinen Vorstellungen?

Wenn diese Fragen nicht beantwortet werden, entsteht selbst bei ausreichender Reichweite oft keine Bewerbung.

 

Recruiting ist heute deutlich mehr als eine Stellenausschreibung

Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren verändert. Qualifizierte Fachkräfte bewerben sich heute deutlich seltener aktiv auf offene Stellen als noch vor einigen Jahren.

Viele gute Kandidaten sind bereits beschäftigt und grundsätzlich zufrieden mit ihrer aktuellen Situation.

Sie wechseln nicht wegen einer Stellenanzeige oder wenn sie eine bessere Perspektive erkennen. Genau deshalb reicht es häufig nicht mehr aus, lediglich eine offene Stelle zu veröffentlichen.

Kanzleien müssen sichtbar machen, wie sie arbeiten, wofür sie stehen, wie das Team zusammenarbeitet, welche Entwicklungsmöglichkeiten bestehen und warum sich ein Wechsel tatsächlich lohnt.

Erst dadurch entsteht Interesse bei den Menschen, die eigentlich gar nicht aktiv auf Jobsuche sind.

 

Der Strategiewechsel beginnt mit den richtigen Fragen

Wer bessere Recruiting-Ergebnisse erzielen möchte, sollte zunächst einen Schritt zurückgehen. Statt sofort neue Maßnahmen zu starten, lohnt es sich, folgende Fragen zu stellen:

  • Erreichen wir überhaupt die richtigen Menschen?

  • Können Bewerber erkennen, was unsere Kanzlei besonders macht?

  • Heben wir uns von anderen Kanzleien ausreichend ab?

  • Verstehen potenzielle Bewerber, warum ein Wechsel sinnvoll wäre?

  • Wie einfach ist der Bewerbungsprozess tatsächlich?

Oft entstehen die größten Verbesserungen nicht durch mehr Budget, sondern durch bessere Antworten auf genau diese Fragen.

 

Fazit: Neue Ergebnisse brauchen neue Ansätze

Viele Kanzleien erhalten immer wieder die gleichen Recruiting-Ergebnisse, weil sie immer wieder auf ähnliche Maßnahmen setzen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass die bisherigen Maßnahmen grundsätzlich falsch sind. Es bedeutet lediglich, dass sie alleine nicht ausreichen, um andere Ergebnisse zu erzielen.

Wer dauerhaft qualifizierte Fachkräfte gewinnen möchte, sollte deshalb nicht nur einzelne Anzeigen optimieren, sondern die gesamte Recruiting-Strategie betrachten.

Denn erfolgreiche Mitarbeitergewinnung entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch ein System, in dem Sichtbarkeit, Arbeitgeberattraktivität und Bewerberansprache sinnvoll zusammenspielen.

ÜBER DEN AUTOR

Autor

Tim Wöhler

Tim Wöhler ist Gründer von Wöhler & Partner und Experte für strategisches Wachstum und Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Steuerkanzleien.
Sein Fokus liegt auf planbarer Sichtbarkeit, klarer Positionierung und messbaren Ergebnissen – für Steuerkanzleien ohne Zufall.

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