„Unsere Kanzlei ist modern aufgestellt – aber Bewerbungen bleiben trotzdem aus.“
Diesen Satz hört man inzwischen in vielen Steuerkanzleien. Denn intern wirkt vieles oft deutlich besser als das Bild, das Bewerber tatsächlich von außen wahrnehmen.
Und genau hier entsteht eines der größten Probleme im modernen Recruiting: Bewerber lernen Ihre Kanzlei heute meist kennen, bevor überhaupt ein Gespräch stattfindet.
Nicht über Stellenanzeigen. Nicht über Empfehlungen. Sondern über Google.
Die eigene Website, Bewertungen, Social Media, Bilder oder Suchergebnisse entscheiden häufig schon innerhalb weniger Minuten darüber, ob Interesse entsteht – oder eben nicht.
Viele Kanzleien unterschätzen dabei, wie stark dieser erste Eindruck tatsächlich wirkt.
Früher war Recruiting oft persönlicher. Bewerber kannten Kanzleien aus dem Umfeld, durch Empfehlungen oder regionale Bekanntheit.
Heute läuft der erste Kontakt fast immer digital ab. Sobald Interesse an einer Stelle entsteht, passiert meist automatisch dasselbe: Der Bewerber googelt die Kanzlei.
Und genau dort beginnt bereits die eigentliche Bewertung.
Innerhalb kürzester Zeit entstehen dabei unbewusst Fragen wie:
Wirkt die Kanzlei modern oder veraltet?
Ist die Website professionell aufgebaut?
Gibt es echte Einblicke ins Team?
Wie aktuell wirken Inhalte und Außenauftritt?
Gibt es Bewertungen – und wenn ja, welche?
Ist erkennbar, wie dort gearbeitet wird?
Viele Entscheidungen fallen dabei deutlich früher, als Kanzleien denken.
Denn Bewerber vergleichen heute nicht nur Stellenangebote. Sie vergleichen Gesamteindrücke.
Intern entsteht häufig ein ganz anderes Bild als das, was Bewerber tatsächlich wahrnehmen.
Viele Kanzleien sagen beispielsweise:
„Bei uns herrscht ein tolles Teamklima.“
„Wir arbeiten modern.“
„Wir sind digital aufgestellt.“
„Wir bieten ein angenehmes Arbeitsumfeld.“
Das Problem: Von außen ist davon oft kaum etwas sichtbar.
Wenn die Website mehrere Jahre alt wirkt, kaum Einblicke vorhanden sind oder Stellenanzeigen austauschbar formuliert werden, entsteht schnell ein Widerspruch zwischen Eigenwahrnehmung und Außenwirkung.
Und genau diesen Unterschied bemerken Bewerber sehr schnell. Denn Fachkräfte beurteilen nicht, wie eine Kanzlei intern über sich denkt – sondern ausschließlich das, was sichtbar kommuniziert wird.
Die wenigsten Kanzleien wirken absichtlich unmodern oder unattraktiv.
Häufig fehlt schlicht die Zeit, sich regelmäßig mit dem eigenen Außenauftritt zu beschäftigen.
Die Folge sind typische Probleme wie:
veraltete Website-Texte
alte Teamfotos oder gar keine Bilder
unklare Karriereseiten
fehlende Arbeitgeberpositionierung
keine aktuellen Inhalte
schlechte oder unbeantwortete Bewertungen
austauschbare Stellenanzeigen
Aus Kanzleisicht erscheinen viele dieser Punkte nebensächlich. Für Bewerber wirken sie jedoch wie klare Signale.
Denn wer heute online kaum Präsenz zeigt, vermittelt schnell den Eindruck von Stillstand, selbst wenn intern eigentlich modern gearbeitet wird.
Ein Punkt wird dabei besonders unterschätzt: Google-Bewertungen.
Viele Kanzleien achten primär auf Mandantenbewertungen. Bewerber lesen diese jedoch ebenfalls.
Und sie interpretieren sie oft anders.
Wiederkehrende Aussagen wie:
„schlechte Kommunikation“
„keine Rückmeldung“
„unfreundlicher Umgang“
„lange Wartezeiten“
wirken nicht nur auf potenzielle Mandanten negativ, sondern ebenso auf potenzielle Mitarbeiter. Bewerber übertragen solche Eindrücke automatisch auf die spätere Zusammenarbeit im Team.
Gleichzeitig gilt: Auch fehlende Bewertungen erzeugen Unsicherheit. Wenn kaum sichtbare Außenwirkung vorhanden ist, entsteht schnell die Frage: „Warum findet man über diese Kanzlei eigentlich so wenig?“
Viele Kanzleien glauben, sie müssten sich möglichst perfekt präsentieren.
In Wahrheit erwarten Bewerber oft etwas ganz anderes: Authentizität.
Niemand erwartet Hochglanz-Marketing oder künstliche Imagekampagnen. Aber Bewerber möchten erkennen können:
Wie arbeitet die Kanzlei?
Wie wirkt das Team?
Welche Werte stehen dahinter?
Wie modern ist die Arbeitsweise wirklich?
Wie professionell ist die Kommunikation?
Je klarer diese Fragen beantwortet werden, desto größer wird das Vertrauen.
Denn Unsicherheit ist einer der größten Gründe dafür, warum sich Bewerber gegen eine Kanzlei entscheiden.
Viele Kanzleien glauben, Außenwirkung sei vor allem „Marketing“. Im Recruiting wird sie jedoch zunehmend zum Qualitätsfilter. Denn starke Fachkräfte haben heute Auswahlmöglichkeiten.
Und genau deshalb achten sie besonders darauf, wie professionell Kanzleien auftreten. Dabei geht es weniger um Perfektion, viel mehr um Klarheit.
Eine moderne Website, aktuelle Inhalte oder ein professioneller LinkedIn-Auftritt vermitteln beispielsweise:
Die Kanzlei entwickelt sich weiter.
Digitalisierung wird ernst genommen.
Prozesse wirken organisiert.
Mitarbeitergewinnung hat Priorität.
Fehlen diese Signale komplett, entsteht schnell das Gegenteil.
Viele Kanzleien denken beim Thema Arbeitgebermarke sofort an aufwendige Recruitingkampagnen.
Dabei reichen häufig bereits einfache Optimierungen, um die Außenwirkung deutlich zu verbessern.
Zum Beispiel:
eine modernere Karriereseite
aktuelle Teamfotos
klar formulierte Stellenanzeigen
regelmäßige LinkedIn-Beiträge
authentische Einblicke in den Kanzleialltag
professioneller Umgang mit Bewertungen
klare Kommunikation der Arbeitsweise
Der entscheidende Punkt: Bewerber müssen erkennen können, warum genau diese Kanzlei attraktiv ist. Nicht allgemein. Sondern konkret sichtbar.
Viele Kanzleien betrachten Recruiting erst ab dem Moment der Bewerbung. Tatsächlich beginnt die Entscheidung jedoch deutlich früher.
Nämlich genau dann, wenn ein potenzieller Bewerber Ihre Kanzlei zum ersten Mal googelt. Und dieser erste Eindruck entscheidet oft darüber, ob überhaupt eine Bewerbung entsteht.
Deshalb wird Außenwirkung künftig immer stärker zum Wettbewerbsfaktor.
Nicht weil Kanzleien „mehr Marketing“ machen müssen, sondern weil Bewerber heute deutlich genauer hinschauen.
Viele Steuerkanzleien unterschätzen, wie stark Bewerber digitale Eindrücke bewerten.
Website, Bewertungen, Social Media und allgemeine Außenwirkung beeinflussen heute maßgeblich, ob Interesse entsteht oder nicht.
Dabei geht es nicht darum, perfekt zu wirken. Sondern darum, Vertrauen aufzubauen.
Denn Bewerber vergleichen längst nicht mehr nur Gehalt oder Benefits. Sie vergleichen Professionalität, Klarheit und Gesamteindruck.
Und genau deshalb beginnt erfolgreiches Recruiting heute oft nicht erst bei der Stellenanzeige. Sondern bereits bei der Google-Suche.
ÜBER DEN AUTOR

Tim Wöhler
Tim Wöhler ist Gründer von Wöhler & Partner und Experte für strategisches Wachstum und Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Steuerkanzleien.
Sein Fokus liegt auf planbarer Sichtbarkeit, klarer Positionierung und messbaren Ergebnissen – für Steuerkanzleien ohne Zufall.
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