„Wir bekommen zwar Bewerbungen – aber irgendwie passt es nie richtig.“
Diese Aussage hört man in vielen Steuerkanzleien. Die Anzeige ist online, es gehen auch Rückmeldungen ein – und trotzdem entsteht kein echtes Match.
Die Profile sind zu unsicher, fachlich nicht passend oder schlicht nicht das, was man eigentlich gesucht hat.
Die naheliegende Erklärung ist schnell gefunden: Der Markt ist schwierig. Es gibt zu wenige gute Fachkräfte.
Doch in der Praxis zeigt sich häufig ein anderes Bild. Das Problem liegt nicht nur im Mangel an Bewerbern – sondern in der Art, wie Kanzleien kommunizieren.
Denn: Nicht jede Stellenausschreibung spricht die richtigen Menschen an.
Viele Stellenanzeigen in der Steuerbranche klingen austauschbar.
„Tolles Team“, „angenehmes Arbeitsklima“, „leistungsgerechte Vergütung“.
Das Problem ist nicht, dass diese Aussagen falsch sind. Das Problem ist, dass sie nichts filtern.
Gute Fachkräfte lesen solche Formulierungen nicht als Mehrwert – sondern als Standard. Sie erkennen darin keinen konkreten Grund, sich mit genau dieser Kanzlei auseinanderzusetzen.
Gleichzeitig fühlen sich genau die Kandidaten angesprochen, die möglichst viele Optionen offenhalten wollen. Menschen, die breit streuen, statt gezielt zu suchen.
Die Folge: Viele Bewerbungen – aber wenige mit Passung.
Jede Anzeige sendet Signale, oft unbewusst.
Wenn der Fokus stark auf „Sicherheit“, „Struktur“ und „langfristiger Arbeitsplatz“ liegt, spricht das vor allem Menschen an, die genau das suchen – Stabilität ohne große Veränderung.
Wenn hingegen Begriffe wie „dynamisch“, „wachsend“ oder „leistungsorientiert“ dominieren, fühlen sich eher Kandidaten angesprochen, die Entwicklung und Tempo suchen.
Beides ist nicht falsch.
Problematisch wird es dann, wenn die Sprache nicht zur Realität der Kanzlei passt – oder zur Zielgruppe, die man eigentlich erreichen möchte. Denn Sprache wirkt wie ein Filter. Und dieser Filter entscheidet bereits vor der Bewerbung, wer sich angesprochen fühlt – und wer nicht.
Qualifizierte Steuerfachkräfte sind selten aktiv auf Jobsuche. Sie vergleichen nicht systematisch mehrere Anzeigen – sondern scannen gezielt nach Relevanz.
Dabei achten sie weniger auf das Offensichtliche, sondern auf Zwischentöne:
Wie konkret sind die Aussagen?
Wirkt die Anzeige ehrlich oder generisch?
Ist erkennbar, wie der Arbeitsalltag tatsächlich aussieht?
Wenn diese Fragen nicht klar beantwortet werden, entsteht kein echtes Interesse. Die Anzeige wird dann nicht bewusst abgelehnt – sondern schlicht übersprungen.
Ein häufiger Fehler liegt darin, sich möglichst „breit“ aufzustellen. Die Anzeige soll viele Menschen ansprechen – niemanden ausschließen.
Doch genau das führt dazu, dass sie niemanden wirklich erreicht. Wenn jede Kanzlei ähnlich klingt, entsteht kein Unterschied. Und ohne Unterschied gibt es keinen Grund, sich genau hier zu bewerben.
Gerade gute Fachkräfte entscheiden nicht zwischen „Job oder kein Job“ – sondern zwischen mehreren Optionen. Wenn Ihre Anzeige dabei keinen klaren Fokus setzt, verliert sie automatisch an Relevanz.
Kanzleien, die regelmäßig passende Mitarbeiter gewinnen, gehen einen anderen Weg. Sie versuchen nicht, möglichst viele anzusprechen – sondern die richtigen.
Das bedeutet:
klare Sprache statt allgemeiner Floskeln
konkrete Einblicke statt abstrakter Versprechen
bewusste Entscheidung für eine Zielgruppe
Eine gute Anzeige beschreibt nicht nur, was geboten wird – sondern für wen es gedacht ist. Sie macht deutlich, welche Art von Arbeitsweise, Umfeld und Entwicklungsmöglichkeiten tatsächlich passen. Das führt nicht zwangsläufig zu mehr Bewerbungen. Aber zu deutlich besseren.
Viele Kanzleien sehen ihre Anzeige als Einladung. In Wirklichkeit ist sie ein Auswahlinstrument. Sie entscheidet darüber, wer sich überhaupt angesprochen fühlt – und wer gar nicht erst reagiert.
Wenn dieser Filter unscharf ist, entsteht Streuverlust. Zeit wird investiert in Gespräche, die von Anfang an nicht passen. Ein klar formulierter Fokus spart genau diese Zeit – weil er die Vorauswahl übernimmt.
Wenn die falschen Menschen auf Ihre Anzeige reagieren, liegt das selten am Zufall.
In den meisten Fällen ist es das Ergebnis einer Kommunikation, die zu unklar, zu allgemein oder nicht zielgerichtet ist.
Die Lösung liegt nicht darin, „attraktiver“ zu wirken. Sondern präziser.
Kanzleien, die das verstehen, verändern nicht nur ihre Texte – sondern ihre Perspektive auf Recruiting.
Sie formulieren klarer, entscheiden bewusster und sprechen gezielt die Menschen an, die wirklich passen.
Denn am Ende entscheidet nicht, wie viele sich bewerben. Sondern wer sich angesprochen fühlt.
ÜBER DEN AUTOR

Tim Wöhler
Tim Wöhler ist Gründer von Wöhler & Partner und Experte für strategisches Wachstum und Gewinnung von qualifizierten Fachkräften für Steuerkanzleien.
Sein Fokus liegt auf planbarer Sichtbarkeit, klarer Positionierung und messbaren Ergebnissen – für Steuerkanzleien ohne Zufall.
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