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Warum gute Steuerfachkräfte keine klassischen Stellenanzeigen mehr lesen

Die Gründe dafür, dass immer mehr Steuerkanzleien trotz offener Stellen keine Bewerbungen erhalten, sind vielfältig und zugleich sehr eindeutig. Viele Kanzleiinhaber erklären sich die Situation mit dem Fachkräftemangel und der angespannten Marktlage. Das mag auf den ersten Blick stimmen, greift aber zu kurz. Denn gute Steuerfachkräfte gibt es weiterhin – sie reagieren nur nicht mehr auf klassische Stellenanzeigen.

 

„Online-Stellenportale bringen nichts mehr“

Dieser Satz fällt heute in vielen Gesprächen. Und er ist nicht falsch. Allerdings liegt das Problem weniger an den Portalen selbst, sondern daran, dass sie nicht mehr zum Verhalten moderner Bewerber passen. Gute Steuerfachkräfte sind selten aktiv auf Jobsuche. Sie durchsuchen keine Jobbörsen und vergleichen keine Anzeigen. Sie sind angestellt, eingebunden in den Kanzleialltag und wechseln ihren Arbeitgeber nicht ohne einen klaren Anlass. Wer ausschließlich dort sucht, wo nur aktiv Suchende unterwegs sind, erreicht einen Großteil der relevanten Zielgruppe nicht mehr.

 

Austauschbarkeit trotz moderner Benefits

Viele Kanzleien haben ihre Angebote längst angepasst. Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, digitale Prozesse, moderne Technik und eine wertschätzende Atmosphäre gehören heute fast überall zum Standard. Das Problem ist nicht, dass diese Benefits fehlen, sondern dass sie in klassischen Stellenanzeigen kaum noch wirken. Begriffe wie „modern“ oder „wertschätzend“ werden inflationär genutzt und bleiben dadurch abstrakt. Ein modernes Umfeld wird behauptet, eine gute Atmosphäre versprochen – aber selten greifbar gemacht. Für Bewerber entsteht so kein klares Bild, sondern ein austauschbarer Eindruck.

Stellenanzeigen zeigen keine Kanzleikultur

Ein Jobwechsel ist keine rein rationale Entscheidung. Bewerber möchten verstehen, wie eine Kanzlei wirklich arbeitet, wie geführt wird und wie sich der Alltag anfühlt. Genau das können klassische Stellenanzeigen nicht vermitteln. Sie listen Aufgaben und Benefits auf, transportieren aber keine Kultur. Bewerber vergleichen heute nicht nur Inhalte, sondern Eindrücke – und diese entstehen nur dort, wo Kanzleien sichtbar werden und Einblicke geben.

 

Der falsche Ort zur falschen Zeit

Selbst gut formulierte Stellenanzeigen erreichen Bewerber häufig im falschen Moment. Gute Steuerfachkräfte verbringen ihre Zeit im Büro, im Homeoffice oder abends auf dem Smartphone – nicht auf Jobportalen. Moderne Recruiting-Strategien setzen deshalb nicht mehr auf Warten, sondern auf Sichtbarkeit. Kanzleien werden dort präsent, wo potenzielle Bewerber ohnehin unterwegs sind, statt darauf zu hoffen, gefunden zu werden.

 

Social Recruiting als zeitgemäße Lösung

Social Recruiting verändert die Art der Mitarbeitergewinnung grundlegend. Es geht nicht um Selbstdarstellung oder laute Werbung, sondern um gezielte Ansprache und klare Positionierung. Kanzleien können ihr Arbeitsumfeld, ihre Haltung und ihre Struktur sichtbar machen, statt sie nur aufzuzählen. Benefits werden nicht mehr erklärt, sondern erlebt. Genau das schafft Vertrauen und Differenzierung – und spricht auch jene Fachkräfte an, die nicht aktiv auf Jobsuche sind.

 

Fazit: Recruiting neu denken

Im Recruiting für Steuerberater zeigt sich zunehmend eine klare Spaltung. Einige Kanzleien setzen weiterhin auf klassische Methoden und warten auf Bewerbungen, die ausbleiben. Andere haben verstanden, dass sich das Verhalten der Bewerber verändert hat, und passen ihre Strategien an. Sie sprechen die richtigen Menschen zur richtigen Zeit auf den richtigen Plattformen an – und werden als Arbeitgeber wahrgenommen. Nicht als eine Kanzlei von vielen, sondern als echte Option.

 

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