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Die größten Recruiting-Fehler von Steuerkanzleien – und wie man sie vermeidet

VGL Strahlenbach (1)

Viele Steuerkanzleien investieren Zeit, Geld und Hoffnung ins Recruiting – und stehen trotzdem immer wieder vor dem gleichen Ergebnis: zu wenige Bewerbungen, unpassende Kandidaten oder monatelang unbesetzte Stellen. Die Ursache wird schnell benannt: Fachkräftemangel. Doch auch hier gilt: Diese Erklärung ist bequem, aber unvollständig.

In der Praxis scheitert Recruiting nicht am Markt, sondern an wiederkehrenden Fehlern. Fehler, die nicht aus bösem Willen entstehen, sondern aus alten Denkweisen, fehlender Perspektive – und aus der Annahme, dass „es früher ja auch funktioniert hat“.

Ein Blick auf die häufigsten Recruiting-Fehler von Steuerkanzleien zeigt, warum gute Fachkräfte oft nicht reagieren – und was sich konkret ändern lässt.

 

Unklare Benefits: Viel gesagt, wenig gemeint

„Attraktive Vergütung“, „flexible Arbeitszeiten“, „Homeoffice möglich“ – diese Formulierungen sind heute Standard. Das Problem: Sie sagen alles und nichts zugleich. Bewerber können nicht einschätzen, was sie konkret erwartet. Wie flexibel sind die Arbeitszeiten wirklich? Wie oft ist Homeoffice möglich? Was bedeutet „attraktiv“ beim Gehalt?

Unklare Benefits schaffen keine Begeisterung, sondern Unsicherheit. Gute Fachkräfte vergleichen nicht nur Angebote, sie bewerten Risiken. Je schwammiger Aussagen sind, desto größer wird die innere Distanz.

Kanzleien, die erfolgreich rekrutieren, benennen ihre Vorteile konkret. Sie erklären, wie Arbeitsmodelle gelebt werden, welche Entwicklungsmöglichkeiten realistisch sind und was den Alltag tatsächlich erleichtert. Klarheit ersetzt Werbesprache – und schafft Vertrauen.

 

Austauschbare Texte: Wenn jede Kanzlei gleich klingt

Viele Stellenanzeigen lesen sich, als wären sie aus derselben Vorlage entstanden. Gleiche Überschriften, gleiche Phrasen, gleiche Versprechen. Für Bewerber entsteht der Eindruck: Es macht keinen Unterschied, wo ich arbeite – alle erzählen dasselbe.

Genau hier geht Aufmerksamkeit verloren. Wer austauschbar kommuniziert, wird austauschbar wahrgenommen. Dabei hätte jede Kanzlei genug Stoff für eine eigene Geschichte: Führung, Teamgröße, Mandantenstruktur, Arbeitsweise, Entwicklung.

Erfolgreiche Recruiting-Texte beschreiben nicht, was eine Kanzlei theoretisch ist, sondern wie sie praktisch arbeitet. Sie zeigen Haltung, treffen Entscheidungen und grenzen sich bewusst ab. Nicht, um allen zu gefallen – sondern um die Richtigen anzusprechen.

 

Falsche Ansprache: Am Bewerber vorbei formuliert

Ein weiterer klassischer Fehler liegt in der Sprache. Viele Kanzleien schreiben aus ihrer eigenen Perspektive: Was sie brauchen, was sie erwarten, was Bewerber mitbringen sollen. Dabei wird übersehen, dass die meisten Steuerfachkräfte nicht aktiv suchen.

Passive Bewerber stellen andere Fragen: „Passt das zu meinem Leben?“ Wird meine Leistung gesehen? Verändert sich mein Alltag wirklich zum Positiven? Wer diese Fragen nicht adressiert, wird überlesen – selbst wenn die Stelle fachlich interessant wäre.

Moderne Ansprache richtet sich an die Situation der Bewerber, nicht an die Wunschliste der Kanzlei. Sie nimmt Sorgen ernst, spricht Veränderungen klar an und zeigt, warum ein Wechsel sinnvoll sein kann. Recruiting wird so zu einem Dialog – nicht zu einer Aufzählung.

 

Langsame Rückmeldungen: Der unterschätzte Vertrauenskiller

Ein häufig unterschätzter Fehler ist die Geschwindigkeit. Bewerbungen bleiben liegen, Rückmeldungen dauern Tage oder Wochen, Prozesse ziehen sich. Aus Kanzleisicht oft nachvollziehbar – aus Bewerbersicht ein klares Signal.

Langsame Reaktionen werden nicht als Organisationsproblem wahrgenommen, sondern als fehlendes Interesse oder mangelnde Wertschätzung. Gerade gute Fachkräfte, die mehrere Optionen haben, springen hier schnell ab. Nicht aus Ungeduld, sondern aus Konsequenz.

Ein klar strukturierter, transparenter Bewerbungsprozess ist heute kein Extra mehr, sondern eine Erwartung. Schnelle Rückmeldungen, klare nächste Schritte und verbindliche Kommunikation entscheiden oft darüber, ob ein Kontakt bestehen bleibt – oder verloren geht.

 

Fazit: Recruiting scheitert selten an einzelnen Maßnahmen

Die meisten Recruiting-Probleme entstehen nicht durch einen einzelnen Fehler, sondern durch ein Zusammenspiel aus Unklarheit, Austauschbarkeit und fehlender Perspektive. Kanzleien senden Signale – oft unbewusst. Bewerber reagieren darauf konsequent.

Erfolgreiches Recruiting beginnt deshalb nicht mit einer neuen Anzeige, sondern mit ehrlicher Selbstreflexion: Wie treten wir auf? Was unterscheidet uns wirklich? Und wie gut verstehen wir die Menschen, die wir erreichen wollen?

Kanzleien, die bereit sind, diese Fragen zu beantworten und ihr Recruiting strategisch neu zu denken, gewinnen nicht nur mehr Bewerber – sondern die richtigen. Nicht, weil sie lauter werden. Sondern weil sie klarer kommunizieren.

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